„Dass Lebkuchen jedes Jahr früher kommen, ist ein Mythos.“ 

Jedes Jahr im Spätsommer kocht dieselbe Diskussion hoch: Steht das Weihnachtsgebäck jedes Jahr früher im Supermarkt? Wir haben bei Artur Findling, Geschäftsführer im Einkauf bei Kaufland, nachgefragt, was wirklich hinter dem Timing in den Kaufland-Regalen steckt. 

11. September 2026 | Autorin: Alisa Kohler | Lesedauer: 3 Minuten



 

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Weihnachtsgebäck
Portraitfoto Artur Findling

Die wichtigste Frage zuerst: Jedes Jahr wird diskutiert, ob Lebkuchen immer früher verkauft werden. Ist da überhaupt etwas dran?

Artur Findling: Nein, das ist ein Mythos. Bei Kaufland starten wir mit Lebkuchen, Spekulatius und Marzipan jedes Jahr Ende August oder Anfang September, meist in der Kalenderwoche 35. Das entspricht übrigens genau dem meteorologischen Herbstanfang und ist im Handel durchaus üblich. Wenn draußen noch die Spätsommersonne scheint, wirkt der Lebkuchen im Regal für manche Kunden zwar fehl am Platz, zeitlich verändert, hat sich an diesem Start aber seit Jahrzehnten nichts. 


Hat die Nachfrage nach Lebkuchen im August in den vergangenen Jahren ab- oder zugenommen?

Artur Findling: Die Vorfreude auf Lebkuchen im Spätsommer ist seit Jahren konstant hoch: Im vergangenen Jahr war die Nachfrage nach Lebkuchen im August sogar höher als im Jahr davor. Ich glaube: Viele Kundinnen und Kunden freuen sich nach den Grillmonaten einfach auf den weihnachtlichen Geschmack und holen sich das erste Gebäck dann direkt als Snack für die kühleren Spätsommerabende nach Hause. 

Der Süden ist beim Gebäckkauf etwas früher dran

Weihnachtsgebäck

Wann muss denn mit der Planung begonnen werden, dass die Lebkuchen auch wirklich schon Ende August im Regal liegen?

Artur Findling: Auch das mag viele überraschen, aber wenn wir Ende August Lebkuchen in die Regale bringen wollen, laufen die Vorbereitungen schon im Januar an. Direkt nach Neujahr analysieren wir die Trends, schauen uns die Nachfrage im Winter an, kalkulieren die Mengen und schließen die Verträge mit den Herstellern. Auch die Rohstoffe – also Nüsse, Mandeln und Gewürze – müssen wir extrem früh am Markt sichern. Würden wir erst im Sommer planen, wären die Regale vermutlich leer. 


Wer kauft bei 30 Grad im Schatten tatsächlich schon Lebkuchen und Spekulatius? Gibt es hier eine bestimmte Zielgruppe oder regionale Unterschiede?

Artur Findling: Eine typische Zielgruppe gibt es nicht, vom spontanen Impulskäufer bis zum Traditionsliebhaber ist alles dabei. Spannend sind aber die regionalen Unterschiede: Im Süden Deutschlands fangen die Kunden tatsächlich etwas früher an, Weihnachtsgebäck zu kaufen als im Rest des Landes. 
 

Viele Verbraucher behaupten, das Weihnachtsgebäck schmecke im September am besten, weil es frisch aus der Produktion kommt. Stimmt das?

Artur Findling: Nein, das stimmt nicht. Natürlich bieten wir unseren Kunden immer frische Produkte an. Das funktioniert allein deshalb gut, weil unsere Kunden die Produkte rege nachfragen und wir daher immer wieder nachbestellen. Die Gebäckherstellung bei den Produzenten läuft kontinuierlich von Mai bis November durch. Unsere Filialen werden also bis kurz vor Weihnachten laufend mit Lebkuchen und Co. beliefert. Ein Lebkuchen, den man im Dezember kauft, ist also genauso frisch gebacken wie einer aus dem September. 
 

Flacht die Kurve nach dem ersten „Ansturm“ im September wieder ab, bis das eigentliche Vorweihnachtsgeschäft im November beginnt? 

Artur Findling: Ganz im Gegenteil: Ab Ende August werden kontinuierlich immer mehr Lebkuchen verkauft. Die Nachfrage bleibt durchgehend hoch, legt im Advent noch mal richtig zu und erreicht kurz vor Weihnachten ihren Höhepunkt. 
 

Lebkuchen

Gibt es in diesem Jahr besondere Geschmackstrends bei Weihnachtsgebäck?

Artur Findling: Lebkuchen sind weiterhin der unangefochtene Klassiker und sehr beliebt. Trotzdem verändern sich die Wünsche unserer Kunden. Sie schauen jetzt genauer auf Inhaltsstoffe und Herkunft der Zutaten. Die Nachfrage nach Bio-Weihnachtsgebäck, aber auch nach glutenfreien Varianten hat deutlich zugenommen. 
 

Gibt es ein Platzproblem, wenn Ende August Sommerartikel und Lebkuchen gleichzeitig in den Regalen liegen?

Artur Findling: Nein, wir verplanen unsere Verkaufsflächen das ganze Jahr im Voraus: Sobald Grillkohle und Co. Ende des Sommers aus den Regalen fliegen, stehen direkt die Herbst- und Weihnachtsartikel bereit. 
 

Hand aufs Herz – wann isst du selbst den ersten Lebkuchen des Jahres? 

Artur Findling: Ganz offiziell und berufsbedingt bereits im Januar! Bei den ersten Musterverkostungen mit den Herstellern probieren wir die Rezepturen für die kommende Saison. Privat warte ich dann aber tatsächlich klassisch auf den ersten kühlen Herbsttag. 
 

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