Der Kreislauf der geräucherten Würstchen

Wie aus der Produktion von Räucherwurst ein energieeffizienter Fleischwerk-Betrieb entsteht, davon erzählt dieser Text.

19. September 2026 | Autorin: Karina Wolf | Lesedauer: 4 Minuten
 

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Würstchen

Dem dena-Gebäudereport zufolge verbrauchen Gebäude rund 35 Prozent der gesamten Endenergie in Deutschland, wobei der Großteil auf Raumwärme und Warmwasser entfällt. Auch das Fleischwerk von Kaufland in Heilbronn braucht davon viel. Der Grund: Um geschmacksintensive und qualitativ hochwertige geräucherte Würstchen herzustellen, wird logischerweise Rauch benötigt – heißes Wasser hingegen kommt beim Brühen von Würsten zum Einsatz. Warum diese Ressourcen nicht sinnvoll nutzen? Das dachte sich auch Thomas Riedl, Geschäftsführer des Fleischwerks in Heilbronn. Gesagt, getan. Gemeinsam mit seinem Team entstand im Zuge einer umfassenden Modernisierung des Fleischwerks aus der Idee eine wegweisende Veränderung im Umgang mit der Prozesswärme und dem Rauch aus der Räucherei.
 

Je mehr geräucherte Würstchen, desto weniger Heizkraft wird benötigt

Würstchen in Räucherkammer

Das System dahinter ist so simpel wie genial: Der Rauch, der zum Räuchern benötigt wird, wurde früher über mehrere aufwendige Prozessschritte heruntergekühlt und am Ende über den Schornstein abgegeben. Heute kommt eine hocheffiziente Technologie zum Einsatz: Die Abluft wird in einem Heißlufttunnel bei einer Temperatur von ca. 800 °C gereinigt, sodass die nach außen abgegebene Luft komplett geruchs- und schadstofffrei ist. Die dabei entstehende Prozesswärme wird über einen Wärmetauscher genutzt, um Abluft im ersten Schritt vorzuwärmen und dann im zweiten Schritt im eigenen geschlossenen System zum Erwärmen von Trinkwasser oder Kesselspeisewasser zu verwenden. Das Ergebnis: Die neue Technik reinigt nicht nur die Luft, sondern nutzt Abwärme aus dem Räucherprozess flexibel für die verschiedensten Abläufe im gesamten Fleischwerk. 

Modernste Klimatechnik für Hygiene und Schnelltrocknung

Schornstein

Ein Beispiel: Jede Nacht findet in den Räumen des Fleischwerks eine gründliche Reinigung statt. Was zu Hause beim Bodenwischen schon Geduld erfordert, ist im Fleischwerk eine echte logistische Herausforderung: Ohne technologische Unterstützung wäre nach dem Reinigen alles feucht und klamm. Genau hier kann die Abwärme aus dem Räucherprozess clever eingesetzt werden. Das hat drei entscheidende Vorteile: 

  • Mit der Abwärme wird das Reinigungswasser effizient erhitzt - das spart Energie
  • Die warme Luft trocknet die Räume extrem schnell, was Bakterien vorbeugt und so noch mehr Hygiene garantiert.
  • Die gezielte Entfeuchtung sorgt für eine angenehmere Luft für die Mitarbeiter.
     

Dafür muss die Raumluft zunächst erwärmt werden. Die so aufgenommene Feuchtigkeit wird anschließend über moderne Klimageräte gezielt entfeuchtet. Diese schnelle und hochtechnologische Trocknung ist essenziell, denn nur in absolut trockenen Räumen lassen sich die strengen hygienischen Vorgaben der Fleischwerke lückenlos erfüllen. Für Thomas Riedl ist allerdings auch ein weiterer Vorteil von großer Wichtigkeit: 

“Wir sichern damit ein gutes Arbeitsklima: Da in den Produktionsbereichen dauerhaft niedrige Temperaturen herrschen, ist eine optimal regulierte Luftfeuchtigkeit entscheidend für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden.”

Von geräucherten Würstchen zu Wärme für die Nachbarschaft

Fleischwerksanlage

Zwei Kältezentralen gehören ebenfalls zum Inventar des Kaufland Fleischwerks in Heilbronn. Diese sind notwendig, um eine kühle Lagerung der Produkte als auch die Kühlung der Anlagen zu gewährleisten: 

„Wir wollen unsere Anlagen so effizient wie möglich einsetzen und prüfen ständig, wo wir uns verbessern können“, erklärt Thomas Riedl.


Wie bei haushaltsüblichen Kühlschränken entsteht auch bei diesen riesigen Kältezentralen jede Menge Abwärme. Doch statt die Abwärme nur für das eigene Gebäude zu nutzen, will das Fleischwerk noch einen Schritt weiter gehen: Die Abwärme soll künftig in Form von Warmwasser gespeichert und auch der Nachbarschaft im Industriegebiet Heilbronn zur Verfügung gestellt werden. 

“Uns geht es darum, unsere Abwärme effizient zu nutzen - wenn davon künftig auch unsere Nachbarschaft profitieren kann, warum nicht?” ergänzt Thomas Riedl.
 

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