"Gemeinsam mit unseren Vermietern nach Lösungen suchen, um unsere Klimaziele zu erreichen"

Ende November nahm Pierre Götz, Leiter Energiemanagement aus dem Bereich Immobilien DE an der Future Sustainability Week in Berlin teil - einer branchenübergreifenden Austauschplattform zum Thema Nachhaltigkeit. Im Interview erzählt er, worum es bei der Paneldiskussion „Nachhaltige Immobilien im Spannungsfeld zwischen Vermieter und Mieter“ ging und welche Relevanz die Teilnahme für Kaufland hat.

25. November 2022 | Autor: Sabrina Erny | Lesedauer: 6 min

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Pierre Götz am Rednerpult

Was steckt hinter der Future Sustainability Week des Berliner Tagesspiegels? 
Die Future Sustainability Week ist im Grunde eine Wissensplattform. Eine Woche lang kommen Experten aus verschiedensten Branchen zusammen und führen Debatten über brandaktuelle Nachhaltigkeitsthemen. Ich glaube, dass so ein Wissensaustausch von Wissenschaft über Politik und Immobilienverband ganz wesentlich ist, um neue Impulse zu sammeln. Bei der Paneldiskussion, an der ich teilnahm, ging es um die Herausforderungen von Mietern, ihre gemieteten Räumlichkeiten nachhaltiger zu gestalten, und darum, welche Anreize und Rahmenbedingungen es von der Politik bedarf, um solche Umbaumaßnahmen attraktiver zu gestalten. Für uns bei Kaufland ist es entscheidend, gemeinsam mit unseren Vermietern nach Lösungen zu suchen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Das war auch der Grund, weshalb ich dort war.

 

Wieso ist Nachhaltigkeit beim Thema Immobilien so wichtig?
Nachhaltigkeit ist generell für uns ein großes Thema in verschiedensten Bereichen. Hierzu gehören auch der Bau und die Betreuung unserer Filialgebäude. Um unserer Verantwortung im Bereich Klima- und Umweltschutz gerecht zu werden, setzen wir daher auf effiziente Technologien, erneuerbare Energien, Elektroladeinfrastruktur, Biodiversität, nachhaltige Baumaterien und vieles mehr.

Kaufland Filiale von innen. Kühlbereich.

Was sind bei Kaufland wesentliche Schalthebel, um den CO2-Fußabdruck in den Filialen zu reduzieren?
Wir nutzen alle Möglichkeiten der klimafreundlichen Energiegewinnung wie Solaranlagen, Kälte-Wärme-Pumpen und schöpfen weitere Energiequellen wie zum Beispiel die Abwärme unserer Kühltruhen effektiv aus. Mit letzterem leiten wir Wärme in den Boden und beheizen damit den Großteil unserer Filialen. Unsere Kühltruhen dichten wir extra mit Glasschiebedeckeln ab und setzen auf Kältemittel, die fast keine Treibhausgase verursachen. Außerdem reduzieren wir durch LED-Leuchten unseren Energiebedarf. Allein dieses und vergangenes Jahr haben wir in weiteren 300 Filialen Leuchtkörper umgestellt und dadurch allein sieben Prozent Strom eingespart. Zudem monitoren wir alle Filialen mit einem intelligenten Energiemanagement-System. Wie bei einer Pulsuhr, die dem Sportler seine Herzfrequenz oder verbrannte Kalorien mitteilt, sehen wir in dem System, in welchem Bereich gerade viel Energie verbraucht wird. Dadurch machen wir weitere Einsparmöglichkeiten ausfindig.
 

Kaufland bei der Paneldiskussion der Future Sustainability Week in Berlin.

Und welche Rolle spielt dabei das Thema Miete? Nehmen wir einmal das Beispiel Solaranlagen.
Pierre: Stell dir vor, du hast dich entschieden, dass du deine Mietwohnung gerne mit Sonnenenergie versorgen willst. Schnell die Solarzelle aufs Dach setzen ist hier als Mieter eher schwierig, denn das Dach gehört dir ja nicht. Zudem ist es eine große Investition. Vor einer ähnlichen Situation stehen wir als Kaufland. Denn einige unserer deutschen Kaufland-Filialen befinden sich in gemieteten Immobilien.


Und wie hat Kaufland dieses Mieter-Vermieter-Dilemma gelöst? 
Pierre: Zusammen mit unseren Vermietern haben wir hier verschiedene Wege gefunden, um diese Situation zu lösen. Je nachdem, welche Ausgangslage hier unser Vermieter hat, können wir entsprechend flexibel handeln. 

 

Das heißt, es gibt auch konkrete Vorteile für den Vermieter, dass wir unsere Filialen nachhaltiger gestalten?
Pierre: Ja, absolut. Man muss dazu sagen, dass natürlich nicht nur wir, sondern sich auch inzwischen viele unserer Geschäftspartner eigene Klimaziele gesetzt haben und die Klimabilanz ihrer eigenen Immobilien verbessern wollen. Von deren Seite ist also auch eine starke Motivation vorhanden. Zusätzlich ist da aber auch der Aspekt, die eigene Immobilie aufzuwerten oder auch ein konkretes Förderprogramm, von dem der Vermieter profitiert. Je nach individueller Ausgangssituation macht es für den Vermieter mehr Sinn, die Solaranlage selbst zu kaufen oder einen Dachnutzungsvertrag abzuschließen, bei dem wir die Kosten für eine Solaranlage und deren Wartung tragen.
 

Kaufland Filiale Vogelperspektive. Auf dem Dach eine Photovoltaikanlage.

Gibt es neben den Solaranlagen noch andere Beispiele, wie Kaufland zusammen mit dem Vermieter eine Lösung zur Umsetzung nachhaltiger Gebäudemaßnahmen gefunden hat?
Ja, zum Beispiel beim Thema Wärmeerzeugung. Hierfür ist unsere Filiale in Wendelstein ein gutes Beispiel. Wie wir wissen, entsteht bei der Verbrennung von Gas CO2. Deshalb haben wir uns hier gemeinsam mit dem Vermieter entschieden, einen Gaskessel gegen eine Wärmepumpe auszutauschen. Das heißt, wir werden hier künftig elektrische Energie für die Bereitstellung von Wärme nutzen, die wir wiederum aus der Photovoltaikanlage vom Dach unseres Marktes erhalten. Die Kosten der Anschaffung teilen wir uns mit dem Vermieter. Das war in diesem Fall vor allem deshalb möglich, weil wir hier auf eine langjährige, vertrauensvolle Beziehung mit unserem Geschäftspartner zurückblicken, dessen Standort zwar einerseits durch die technische Aufwertung profitiert, dem aber ebenso selbst an einem nachhaltigen Leitbild gelegen ist.
 

Zum Abschluss möchten wir gerne noch einen Blick in die Zukunft wagen. Wie will Kaufland in Zukunft noch mehr gemietete Bestandsimmobilien nachhaltiger gestalten?
In den vergangenen Jahren und Monaten haben wir viele Erfahrungen in der Bestandsgestaltung gesammelt. Dies hat unter anderem in einem sehr erfolgreichen Pilotprojekt gemündet, bei dem wir in Zukunft, gemeinsam mit unserem Vermieter, über 80 Prozent der Standortemissionen reduzieren werden. Aus der Zusammenarbeit haben wir bereits Musterverträge entwickelt, die uns dabei helfen, künftig leichter ähnliche Projekte zu realisieren. Dabei nehmen wir nicht nur Energieeinsparungen in den Fokus, sondern erweitern ebenfalls unseren Einsatz im Bereich Artenvielfalt. So begrünen wir, dort wo möglich, die Dächer unserer Filialen und richten in der unmittelbaren Umgebung Blühstreifen ein, die Insekten, Vögeln und Kleintieren als Lebens- und Rückzugraum dienen. 
 

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