In den Werkshallen der großen Teigwarenproduzenten herrscht meist ein kühles, effizientes Regiment. Denn wenn Rigatoni oder Spaghetti heute im industriellen Maßstab gefertigt, regiert Teflon. Der Kunststoff sorgt dafür, dass der Teig wie geschmiert durch die Düsen gleitet und damit vor allem schnell und massentauglich. Doch wer in der gehobenen Gastronomie oder in den kleinen Manufakturen Italiens nach der perfekten Bissfestigkeit sucht, stößt auf ein Metall, das eigentlich aus der Zeit gefallen scheint: Bronze.
Der Unterschied zwischen einer “Standard-Nudel” und einer „Pasta al Bronzo“ beginnt im Moment der Formgebung. Während die Teflon-Beschichtung die Oberfläche der Nudeln versiegelt und sie glänzend und fast rutschig macht, leistet die Bronzeform Widerstand. Wenn der Teig aus Hartweizengrieß und Wasser mit hohem Druck durch die schweren Formen gepresst wird, reißt die Oberfläche der Pasta minimal auf.
Das Ergebnis ist eine matte, fast weißlich-pudrige Optik - und das ist ein entscheidender Vorteil. Denn an der aufgerauten Struktur findet die Sauce – egal ob ein leichtes Olivenöl oder ein schweres Ragù – den nötigen Halt. Während die Sauce bei glatten Nudeln oft auf den Boden des Tellers abrutscht, bleibt sie bei Bronzenudeln haften.
Hinter den leckeren Nudeln steckt handfeste Physik, denn Bronze besitzt eine exzellente Wärmeleitfähigkeit. In der Produktion bedeutet das: Die Temperatur bleibt konstant, Schwankungen werden abgepuffert. Das schont das Proteinnetzwerk des Teigs.
Zudem verlangt das Bronzeverfahren nach deutlich mehr Druck. Diese Kompression sorgt für eine höhere Dichte im Inneren der Nudel. Für den Koch bedeutet das: Die Pasta behält ihren Kern, sie wird „al dente“ im wahrsten Sinne des Wortes – festgebissen, ohne im Inneren mehlig zu sein.