Endlich K-apiert

Wie funktioniert ein Pfandautomat?

Es gibt viele Dinge in einem Supermarkt, die man nicht hinterfragt. In unserer Serie „Endlich K-apiert“ gehen wir ihnen auf den Grund und erklären, wie sie funktionieren. Thema unserer fünften Folge: Pfandautomaten.

25. Februar 2026 | Autorin: Alisa Kohler | Lesedauer: 4 Minuten

Teilen:

Pfandautomat

Jeder kennt sie, jeder nutzt sie. Pfandautomaten sind in Supermärkten mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Unvorstellbar ist heute, dass noch bis in die 1990er Jahre jegliches Pfand händisch angenommen und sortiert wurde. Dass Pfandautomaten mit Beginn der 2000er Jahre einen echten Boom in Deutschland erlebt haben, liegt vor allem an der 2006 eingeführten Pfandpflicht auf Einweggetränke, weiß Florian Hermanski aus der Beschaffung bei Kaufland. Er ist dort für die Pfandrücknahmesysteme zuständig.

„Mittlerweile gilt die Pfandpflicht ja für die meisten Getränkebehältnisse. Erst seit 2024 zahlt man als Kunde zum Beispiel auch Pfand für Milch- und Milchmischgetränke. Entsprechend viel Pfand geht in unseren Filialen jedes Jahr zurück.“

Aufs Jahr gerechnet nimmt eine einzige Kaufland-Filiale unvorstellbare 65 Tonnen an Pfand an. Entsprechend gut ausgestattet sind die Filialen mittlerweile, erklärt Florian Hermanski:

„Eines unserer Kundenversprechen ist die schnelle und unkomplizierte Rückgabe von Pfand. Unsere Kunden können bei uns jegliches Pfand zurückgeben. Damit das Ganze reibungslos vonstatten geht, stehen unseren Kunden pro Filiale hierbei durchschnittlich drei bis vier Leergutautomaten zur Verfügung.“

In allen über 780 Kaufland-Filialen in Deutschland betreibt das Unternehmen so mehr als 2.780 Leergutautomaten. 

Das Rätsel im Inneren des Automaten

Pfandautomat

Was im Automaten passiert ist und bleibt für die meisten Menschen aber ein Rätsel. Die kleine Luke schluckt die Flaschen, man bekommt einen Pfandbon, den man beim Einkaufen einlösen kann – fertig. Ganz so schnell und einfach ist der Prozess hinter den Kulissen aber dann doch nicht. Das eingegebene Leergut wird gescannt und gewogen. Die integrierte Restflüssigkeitserkennung prüft zunächst, ob die Flasche auch wirklich leer ist. Eine volle Flasche wird vom Automaten nicht angenommen und wieder ausgespuckt. Ist die Flasche leer, wird sie vom Transportband mit dem Etikett nach oben gedreht und gescannt. Wer es dem Automaten besonders einfach machen will, gibt die Flasche mit dem Flaschenboden nach vorne in den Automaten. In der Mehrzahl der Automaten unterscheidet die 360°-Erkennung anhand der Flaschenform, des Barcodes und der Markierung der Deutschen Pfand Gesellschaft (DPG), eines kleinen Logos mit Pfandflaschen, automatisch zwischen Einweg- und Mehrweg-Flaschen. Bei älteren Modellen dreht sich die Flasche, um den Barcode in die optimale Scan-Position zu bringen. Bei einer Einwegflasche wird der Barcode gescannt, in dem viele Informationen zum jeweiligen Leergut gespeichert sind. Zum Beispiel, um welches Getränk es sich handelt oder wie viel Pfand der Kunde zurückbekommt. Bei Einwegflaschen beträgt das Pfand immer 25 Cent. Ist die Flasche vom Scanner eindeutig als Einwegpfand erkannt worden, wird sie direkt zerquetscht und damit entwertet – „das spart Platz und am Ende natürlich auch Transportkosten“, erklärt Florian Hermanski. Entscheidend ist für alle Flaschen immer die im Automaten verbaute Technik:

Pfandautomat

„Vereinfacht kann man es sich so vorstellen, dass jeder Automat ca. 450 Mehrwegflaschen oder Dosen und 3.000 Kästen in seiner Kaufland-Datenbank gespeichert hat. Hierdurch kann er nahezu jedes Leergut erkennen und annehmen – oder eben nicht“, sagt der Experte und fügt hinzu: „Welche Arten von Flaschen der Automat kennt, sieht man, wenn man zum Beispiel aus dem Urlaub eine Glasflasche mit nach Hause gebracht hat und sie abgeben möchte. Diese wird vom Automaten dann nicht erkannt und muss entsorgt werden.”

Die Leergutautomaten benötigen deshalb auch einen Onlinezugang bzw. eine Schnittstelle, um zum Beispiel Einweg-Mengenmeldungen mit dem Pfandkontodienstleister auszutauschen oder Boninformationen an das Kassensystem zu versenden.  Die Mehrwegabrechnung erledigt jeder Markt direkt mit seinen jeweiligen Lieferanten oder seinem Getränkefachgroßhändler. Damit die Abrechnungen einwandfrei funktionieren, werden die Einweg-Stammdaten der DPG, des Deutschen Pfandsystems, täglich eingespielt. Die Mehrweg-Datenbank wird vom jeweiligen Automatenhersteller etwa einmal im Monat aktualisiert. Steht die Mehrwegflasche auf dieser internen Liste des Automaten, nimmt dieser das Leergut an. Es wird mit einem Fließband in den Rückraum des Pfandautomaten geleitet. Dort werden die Flaschen auf einem Flaschensammeltisch aufgefangen. Mit Getränkekisten passiert fast dasselbe. Eine Kamera prüft von oben, links und rechts die Höhe, Breite und Länge der Kisten und sucht nach Erkennungsmerkmalen wie Logos oder Mustern. Zudem wird die Anzahl der Flaschen erfasst.  Im Rückraum des Pfandautomaten kommt dann, trotz aller Technik, wieder der Mensch ins Spiel.

„Unsere Mitarbeiter sortieren die einzelnen Flaschen bei Mehrwegpfand nach Hersteller in unterschiedliche Getränkekisten. Diese werden dann von den einzelnen Lieferanten abgeholt, gründlich gereinigt, wieder befüllt, neu etikettiert und kommen so wieder in den Kreislauf“, sagt Florian Hermanski.

Die zerdrückten Einwegflaschen werden hingegen in großen Behältern gesammelt und noch in der Filiale zu großen PET-Würfeln gepresst. Dieser Rohstoff kann dann anschließend genutzt werden, um neue Flaschen herzustellen. 
 

Noch schneller mit dem Tomra R2

Eine Person wirft ihr Leergut in den Tomra-Automaten.

Bei den Mengen an Leergut, die in Supermärkten wie Kaufland jeden Tag zurückgegeben werden, ist es selbstverständlich, dass die Automaten weiterentwickelt werden. Und so kommt es, dass auch bei Kaufland immer wieder innovative Pfandautomaten installiert werden. Wie der Tomra R2. Er ist eines der modernsten und schnellsten Systeme, die es derzeit auf dem Markt gibt. Das Besondere: Der Tomra R2 verfügt im Gegensatz zu seinen konventionellen Geschwistern über ein Förderband, das sich nach dem Öffnen der Eingabeluke fortlaufend bewegt. So können die Kunden kontinuierlich und beliebig viele Flaschen und Dosen direkt einwerfen, statt diese einzeln einzulegen. Florian Hermanski erklärt, wie es geht:

„Der Kunde muss einfach nur auf Start drücken, um mit der Rückgabe zu beginnen und dann, wenn alle Flaschen eingeworfen sind, nochmal auf Fertig. Das wars!“

Der Tomra-Pfandautomat in einer Filiale.

Im Inneren des Tomra gelangen die Flaschen nach dem Einwurf über die geneigte Eingabeluke über ein Schaufelrad, das die präzise Vereinzelung ermöglicht, auf das laufende Förderband, bevor sie nacheinander zu einer 360°-Erkennungseinheit geleitet werden.  Diese seit über einem Jahrzehnt bewährte Erkennungstechnologie von TOMRA identifiziert Form, Material, Barcode und weitere Merkmale – in Sekundenbruchteilen. Einweggebinde werden anschließend automatisch kompaktiert, während erkannte Mehrwegflaschen im Nachgang sortiert und in Getränkekisten zurückgeführt werden. Nicht erkennbare oder nicht pfandpflichtige Behälter werden direkt an den Kunden zurückgegeben. Es dauert in Summe nur ein paar Sekunden, dann ist das gesamte Leergut erfasst und der Pfandbon wird ausgedruckt.

„Vor allem für Kunden mit größeren Mengen an Leergut ist der neue Automat ideal, da er die Leergutabgabe für sie deutlich beschleunigt und vereinfacht. Wenn der Automat sich in unsere bestehende Leergutannahme so gut einfügt, ist das natürlich umso besser für uns“, freut sich Florian Hermanski.

Bei so viel ausgeklügelter Technik, die hinter einem Automaten steckt, ist der Multi-Feed-Einwurf des Tomra R2 bestimmt nicht die letzte Revolution, die in der Pfandwelt auf sich warten lässt. 

Medieninhalte

Hinweis: Verwendung von Bild- und Textmaterial

Das von uns zur Verfügung gestellte Bild- und Textmaterial darf ausschließlich für redaktionelle Zwecke verwendet werden. Bei der Verwendung des Bildmaterials ist im Fotonachweis © Kaufland zu nennen.