Wie läuft es denn bisher in den anderen Ländern?
Sebastian Rötsch: Mit seinem Online-Angebot in Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Polen und Österreich gehört Kaufland jeweils zu den größten Marktplätzen. Auch in Frankreich und Italien, wo der Kaufland-Marktplatz im vergangenen Jahr neu gestartet ist, zählt er bereits zu den am stärksten wachsenden Plattformen. Im vergangenen Geschäftsjahr hat unser Kaufland-Marktplatz insgesamt um 11,9 Prozent im Gross Merchandise Value (GMV) zugelegt – das internationale Geschäft war mit einem Plus von 124 Prozent einer der stärksten Treiber. Besonders in Osteuropa sind unsere Marktplätze für immer mehr Menschen die erste Adresse, wenn es um Kategorien wie Garten, Heimwerken, Wohnen oder Küche geht.
Was sind aktuell die größten Herausforderungen?
Sebastian Rötsch: Der E-Commerce-Markt insgesamt steht vor spürbaren Herausforderungen: steigende Kundenerwartungen an Liefergeschwindigkeit und Preis, dazu wachsender Wettbewerbsdruck durch internationale Plattformen, bei denen europäische Standards oft zu kurz kommen. Eine weitere große Herausforderung für Händler ist der Schritt der internationalen Expansion als nachhaltige Wachstumsstrategie. Grund dafür sind oft bürokratische und operative Hürden: unterschiedliche Sprachen, Gesetze, grenzübergreifende Logistik, technische Infrastruktur, lokaler Kundensupport. Bei vielen dieser Punkte bieten wir bereits Lösungen. Als europäischer Marktplatz setzen wir konsequent auf ein sicheres, transparentes Handelsumfeld mit klaren Spielregeln für unsere Händler. Die operativen Hürden lösen wir mit unserer All-in-one-Lösung: Mit nur einer Registrierung können Händler künftig in neun europäischen Ländern verkaufen und potenziell bis zu 220 Millionen Online-Kunden erreichen.
Verbraucher werden anspruchsvoller – was erwarten sie heute von Online-Shops?
Sebastian Rötsch: Moderne Online-Shopper erwarten ein absolut reibungsloses Einkaufserlebnis. Eine große Auswahl ist dabei die Grundvoraussetzung und unterscheidet uns als großen, breit aufgestellten Online-Marktplatz mit 45 Millionen Produkten in 6.400 Kategorien von vielen europäischen Mitbewerbern. Aber heute sucht unser Kunde online nach Produkten schon ganz anders als noch vor zwei, drei Jahren. In LLMs geben Nutzer selten exakte Produktspezifikationen ein, sondern beschreiben ein Problem, das sie lösen wollen. Aus einem "Zyklon-Staubsauger mit 2.000 Watt Saugleistung" wird die Suche nach "Tierhaare vom Sofa entfernen". Hier arbeiten wir bereits heute an Lösungsansätzen. Unser Ansatz: Produkte per KI nicht nur danach kategorisieren, was die vom Hersteller vorgegebene Bezeichnung ist, sondern auch andere Attribute, zum Beispiel, wofür Kunden das Produkt brauchen, vergeben. Wir bereiten uns auf eine Suche vor, die sich näher an den tatsächlichen Kaufmotiven orientieren als starre, manuell gepflegte Filter
Kann der Kaufland-Marktplatz denn überhaupt in Ländern richtig bekannt werden, wo es keine Filialen gibt?
Sebastian Rötsch: Unsere ersten internationalen Expansionsschritte führten uns in Länder wie Tschechien, die Slowakei und Polen, wo wir bereits stationär vertreten waren. 2024 sind wir jedoch in Österreich an den Start gegangen – dort war die Ausgangslage sehr ähnlich wie in den Niederlanden. Verbrauchern in den grenznahen Regionen zu Deutschland war Kaufland eventuell ein Begriff, im Rest des Landes war die Marke weitgehend unbekannt. Auch dort stellte sich die Frage, ob das Modell ohne physische Präsenz funktioniert. Das Ergebnis war überaus erfolgreich: In Österreich stieg die Markenbekanntheit seit Start des Marktplatzes bereits um 24 Prozentpunkte, auf 64%. In Frankreich und Italien, wo wir im vergangenen Jahr gestartet sind, haben wir bereits nach wenigen Monaten am Markt jeweils bis zu eine Million Besucher pro Monat erreicht. Wir wissen heute, dass unser Marktplatz auch in Ländern hervorragend performt, in denen Kaufland nicht im stationären Einzelhandel vertreten ist.
Wann gilt der Launch des Online-Marktplatzes in einem neuen Land eigentlich als Erfolg?
Sebastian Rötsch: Ein Erfolg ist es aus meiner Sicht, wenn wir Kunden gewinnen, die wiederkehren, und wenn wir kontinuierlich an Sichtbarkeit zulegen. Und erfolgreich sind wir nur gemeinsam mit unseren Händlern – ihr Vertrauen und Wachstum sind gleichermaßen die Grundlage für unseren Marktplatz-Erfolg, dem wir zuversichtlich entgegenblicken. Das ist uns mit unserem Ansatz bislang in jedem Markt gelungen, und ich wäre sehr zufrieden, wenn wir dies auch in den Niederlanden erreichen. Dafür wollen wir das Land sowie unsere Händler und Kunden dort genau kennenlernen. Wir wollen jedoch schrittweise wachsen, unsere Markenbekanntheit ausbauen und uns so eine langfristige Position sichern.