Biodiversität und Böden bewahren
Die biologische Vielfalt stellt eine entscheidende Grundlage für die Funktionsfähigkeit unseres Lebensraumes dar und ist die Basis für die Angebotsbreite unseres Warensortiments. Als Lebensmittelhandelsunternehmen, das tief in weltweite Wertschöpfungsketten eingebunden ist, tragen wir auch eine unmittelbare Verantwortung für den Schutz der Artenvielfalt. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden, indem wir uns für Geschäftspartner entscheiden, die beim Anbau von Obst und Gemüse und anderen pflanzlichen Rohstoffen die Gesundheit von Böden, den Schutz von Wildtieren und die Wahrung der Menschenrechte sicherstellen. Wir fordern ein strenges Wassermanagement und setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern für entwaldungsfreie Lieferketten ein. Im Folgenden stellen wir Ihnen unsere konkreten Umsetzungsmaßnahmen vor, um diese Ziele zu erreichen.
Berücksichtigung von Biodiversitätskriterien
Auf Produktebene setzen wir auf verschiedene Zertifizierungen, die auch Biodiversitätskriterien berücksichtigen. Dazu gehören das Bio-Siegel, FSC® (Forest Stewardship Council) bei holzbasierten Produkten, MSC (Marine Stewardship Council) und ASC (Aquaculture Stewardship Council) bei Fisch, Rainforest Alliance bei Kaffee und Bananen und Fairtrade bei Kakao. Unser Engagement wird auch von NGOs bestätigt. So erzielte Kaufland in der Palmöl-Scorecard 2024 des WWF gute Ergebnisse: Von allen 285 Unternehmen, die vom WWF kontaktiert wurden, erreichte Kaufland den elften Platz.
Mehr Informationen zu unseren Produktsiegeln erhalten Sie hier.
Prüfung von Pflanzenschutzmitteln
Ein zentraler Faktor für den Erhalt der Biodiversität ist die Minimierung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in der landwirtschaftlichen Produktion. Gesunde, humusreiche Böden haben darüber hinaus das Potenzial, als eines der wichtigsten natürlichen Kohlenstoff-Reservoirs zu fungieren. Kaufland verfolgt hierfür bereits seit 2006 eine Strategie des aktiven Pestizidmanagements im Obst- und Gemüsebau. In enger Kooperation mit Erzeugern wird dabei das Konzept der integrierten Landwirtschaft forciert, das den Einsatz von Pestiziden auf ein agrartechnisches Minimum reduziert und alternative Schutzmaßnahmen priorisiert. Die Kaufland-Standards gehen dabei über gesetzliche Vorgaben hinaus, indem sie auch zugelassene Wirkstoffe stark einschränken, um den Pestizideinsatz im Anbau so niedrig wie möglich zu halten.
Konsequent tritt Kaufland dafür ein, dass Erzeuger Pflanzenschutzmittel nur dann verwenden, wenn es agrartechnisch keine adäquaten Alternativen gibt. In unabhängigen Kontrollen überprüfen wir regelmäßig, ob unsere gesetzten internen Standards eingehalten werden. Mit Erfolg: Unsere Vorgaben zählen zu den strengsten der Branche.
Im Transparenzreport Obst & Gemüse sowie Blumen & Pflanzen geben wir einen detaillierten Einblick in den streng regulierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Kaufland und unser Engagement im Bereich der Biodiversität.
Die „Kaufland-Ausschlussliste“ für besonders gefährliche oder schädliche Pestizide liefert detaillierte Informationen und Handlungsanweisungen. So listet die Ausschlussliste alle Wirkstoffe auf, die durch Kaufland oder internationale Vorgaben (WHO-Listen 1a und 1b und Konventionen von Rotterdam und Stockholm) verboten beziehungsweise ausgeschlossen werden.
Übersicht der Reports
EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)
Entsprechend der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) für entwaldungsfreie Produkte, die vom Europäischen Parlament und dem Rat der Europäischen Union erlassen wurde, haben die Unternehmen der Schwarz Gruppe im Rahmen eines Expertenkreises einen Ansatz verbindlicher unternehmerischer Sorgfaltspflichten erarbeitet. So wird gemäß der Verordnung ab dem 30.12.2026 Entwaldungsfreiheit für die relevanten Rohstoffe Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme, Soja und Rind sowie daraus hergestellte Erzeugnisse, gemäß dem Geltungsbereich des Annex I, sichergestellt.
Um sein Engagement zu unterstreichen, hat Kaufland zudem das Unternehmensstatement des WWF gegen Entwaldung und Umweltzerstörung unterzeichnet. Darüber hinaus setzt sich Kaufland gemeinsam mit den anderen Unternehmen der Schwarz Gruppe dafür ein, dass auch sonstige bewaldete Flächen („other wooded lands“) in die EUDR aufgenommen werden. Dieser Schritt würde wichtige Ökosysteme weltweit stärker schützen und die Verordnung für Unternehmen und zuständige Behörden gleichermaßen leichter umsetzbar machen. Zudem werden damit gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle geschaffen.
Zur Förderung des Anbaus von gentechnikfreiem Soja in Europa hat die Kaufland Stiftung & Co. KG bereits 2019 eine Partnerschaft mit Donau Soja geschlossen. Donau Soja hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, Landwirte im Anbau von entwaldungsfreiem Soja zu schulen und so für eine Zertifizierung nach strengen Umwelt- und Sozialstandards zu qualifizieren. Dabei unterstützt Kaufland Sojabauern in der Ukraine, durch sogenannte Proteinpartnerschaften, bei denen durch Prämienzahlung Anreize zum Anbau von gentechnikfreien, zertifizierten Sojabohnen geschaffen werden. Bislang konnten dadurch bereits 150.000 Tonnen zertifiziertes Soja angebaut werden.
Strategische Partnerschaften
Food for Biodiversity e. V.
Die Kaufland Stiftung & Co. KG ist Gründungsmitglied des Food for Biodiversity e. V. und engagiert sich dort im Auftrag aller Kaufland-Landesgesellschaften. Über den Verein leisten Vertreter von Unternehmen, Verbänden und Standardgebern aus der Lebensmittelbranche über verschiedene Projekte Aktivitäten im Bereich der biologischen Vielfalt. Dafür testet Kaufland in Form von Pilotprojekten das Basis-Set an Biodiversitätskriterien, das im Rahmen des Vereins entwickelt wurde. Kaufland erhofft sich dadurch, die Biodiversitätsstandards in der Lebensmittelproduktion auf dem europäischen Markt zu erhöhen.
Kaufland als erster Lebensmittelhändler Teil der Allianz der Pioniere
Durch die Wiedervernässung von Mooren wird nicht nur der Klima- und Artenschutz gefördert. Für die Wirtschaft ergeben sich darüber hinaus neue Einkommensquellen, wenn Moore umweltverträglich bewirtschaftet werden. Dies nutzt die Allianz der Pioniere, ein Verbund aus Wirtschaftsunternehmen, der im Frühjahr 2024 unter dem Dach der toMOORow-Initiative von der Umweltstiftung Michael Otto und der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen der Initiative werden Lösungen getestet, die nicht nur Treibhausgasemissionen messbar reduzieren, sondern auch die Wiedervernässung von Mooren wirtschaftlich attraktiv gestalten. Kaufland wurde als erster Lebensmittelhändler Teil der Allianz und setzt sich dafür ein, wiedervernässte Moorflächen perspektivisch auch landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Partnerschaftlich arbeitet Kaufland dabei mit einem weiteren Unternehmen der Schwarz Gruppe zusammen: OutNature. OutNature setzt sich kontinuierlich dafür ein, ressourcenschonende Verpackungsalternativen zu entwickeln. Dieses Potenzial bietet die Paludi-Biomasse. Bei der sogenannten Paludikultur wachsen auf Moorflächen Pflanzen mit hoher Wassertoleranz wie beispielsweise Seggen, Rohrglanzgras, Rohrkolben, Schilf oder Schwarzerle. Diese können unter anderem in der Bau- und Dämmstoffindustrie, in der Papier- und Verpackungsbranche und bei der Herstellung von Holzwerkstoffen als wertvolle, regional nachwachsende Rohstoffe dienen und so fossile Ressourcen ersetzen. Gemeinsam mit OutNature plant Kaufland die Umsetzung von Pilotprojekten zur Nutzung der Paludi-Biomasse.
Gemeinsames Engagement mit der Bodensee-Stiftung
Die Kaufland Stiftung & Co. KG wird seit 2016 durch die deutsche Bodensee-Stiftung bei der Entwicklung von Biodiversitätsprojekten unterstützt. Sie bewertet Biodiversitätsmaßnahmen und naturbasierte Lösungen und ordnet diese strategisch ein.
Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, dem Global Nature Fund und der Bodensee-Stiftung, haben wir einen Praxistest des Biodiversity Performance Tool (BPT) durchgeführt, das erstmals eine Erfassung und Bewertung der aktuellen Situation in Bezug auf die Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichte. Die Bodensee-Stiftung unterstützte unsere ausgewählten Kaufland-Lieferanten vor Ort bei der Anwendung des Tools. Die Landwirte beantworteten unter anderem einen Fragebogen, der eine individuelle Bewertung der Ausgangslage durch 78 Kennzahlen und Indikatoren ermöglichte. Daraufhin erhielten sie einen Überblick über ihre Stärken und Schwächen als Grundlage für einen individuellen Aktionsplan. Die mit dem Landwirt abgestimmten Maßnahmen führen zu einer kontinuierlichen Verbesserung beim Management von Habitaten und Arten sowie bei bestimmten landwirtschaftlichen Praktiken. Durch eine regelmäßige Analyse der Situation konnten die umgesetzten Maßnahmen im Tool erfasst und die Entwicklung protokolliert werden.
Erhalt der Moore
Moore leisten sowohl für den Erhalt der Artenvielfalt als auch für das Klima einen wichtigen Beitrag. Sie speichern über Jahrtausende Treibhausgase und binden doppelt so viel CO₂ wie die Wälder dieser Erde. Der torfhaltige Boden der Moore besteht zum größten Teil aus Wasser, ist extrem sauerstoff- und nährstoffarm. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften bilden Moore den Lebensraum für viele seltene bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Trocknen Moore allerdings aus, wird dieser Lebensraum zerstört und gespeicherte Treibhausgase werden wieder in die Atmosphäre gegeben. Mit einem Projekt zur systematischen Wiedervernässung, der sogenannten Renaturierung von Mooren, setzt sich Kaufland in Deutschland mit Maßnahmen direkt vor Ort ein. Dafür hat die Kaufland Dienstleistung GmbH & Co. KG im Jahr 2024 ihre Kräfte mit den Partnern Coca-Cola Europacific Partners und dem Verband Deutscher Naturparke e. V., kurz VDN, gebündelt: Innerhalb von drei Jahren werden in neun Naturparks in Deutschland insgesamt vier Feuchtgrünland- und Auenbereiche renaturiert und fünf Moore wieder vernässt. Durch die Maßnahmen der Wiedervernässung werden nicht nur Emissionen reduziert und natürliche Wasserspeicher wiederhergestellt, sondern auch wertvolle Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten gesichert.