Lebensmittelverschwendung reduzieren

   

Etwa 2 bis 2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr weggeworfen (UNEP, 2024 und FAO, 2023). Die Ursachen dafür sind vielfältig. Als Lebensmitteleinzelhändler liegt es in unserem eigenen Interesse, Lebensmittelverschwendung gering zu halten und, wenn möglich, zu vermeiden. Dafür engagieren wir uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und -verlusten: vom Anbau und Transport der Waren über die eigenen Betriebe bis hin zur Sensibilisierung unserer Kunden.

Unser Anspruch

Aktiv gegen Lebensmittelverschwendung

Auf dem Weg zu Zero Waste hat Kaufland den Anspruch, die anfallenden Lebensmittelabfälle in seinen Filialen und Betrieben zu reduzieren. Dafür ergreifen wir vielfältige Maßnahmen wie Preisreduzierungen bei Lebensmitteln mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum und Kooperationen mit gemeinnützigen Organisationen.


In vier Schritten gegen Lebensmittelverschwendung

Vorbeugen, Vermeiden, Verwerten, Vermitteln

Die Treibhausgasemissionen, die durch Lebensmittelverschwendung entstehen, tragen schätzungsweise zu etwa zehn Prozent der weltweiten CO₂e-Emissionen bei (IPCC, 2019: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems). Um die Ursachen von Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen, orientieren wir uns an folgendem Prinzip: Vorbeugen, Vermeiden, Verwerten und Vermitteln.

VORBEUGEN

Durch enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten beugen wir Lebensmittelverschwendung in der Lieferkette vor.

VERMEIDEN

Durch Konzepte und Kooperationen reduzieren wir Lebensmittelverschwendung im eigenen Geschäftsbereich.

VERWERTEN

Abfälle, die wir nicht vermeiden können, verwerten wir durch Recycling oder andere Verwendung.

VERMITTELN

Bei unseren Kunden möchten wir ein Bewusstsein für die Problematik schaffen und Wissen vermitteln.

Freiwillige Selbstverpflichtung

Die Landesgesellschaft Deutschland ist seit 2021 Mitglied im Nationalen Dialogforum des Groß- und Einzelhandels zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ins Leben gerufen wurde. Damit verpflichtet sich Kaufland in Deutschland freiwillig zu konkreten Reduzierungszielen sowie zu Maßnahmen für weniger Lebensmittelverschwendung entlang der Wertschöpfungskette. Das Dialogforum ist Teil der Nationalen Strategie der Bundesregierung zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung


Vorbeugen

Von Mengenkalkulation bis Preisreduktion

Als Lebensmitteleinzelhändler tragen wir eine wesentliche Rolle bei der Vorbeugung von Lebensmittelabfällen. Mit unseren Geschäftspartnern, Lieferanten und landwirtschaftlichen Betrieben stehen wir daher im regelmäßigen Austausch, um mit ihnen gemeinsam neue Maßnahmen und Projekte zur Verhinderung von Lebensmittelabfällen und -verlusten zu entwickeln und umzusetzen. Gleichermaßen legen wir den Fokus auf unser eigenes Handeln: Dies beginnt bereits damit, dass wir regelmäßig analysieren, wie viel Obst und Gemüse in unseren Märkten tatsächlich verkauft wird. Anhand dieser Zahlen berechnen wir den Bedarf pro Saison immer wieder neu. So können auch die landwirtschaftlichen Partner von Kaufland die Produkte bedarfsgerecht anbauen, ernten und damit Überproduktion vermeiden. Mithilfe detaillierter Prognosetools ist Kaufland in der Lage, die Nachfrage an Lebensmitteln in den individuellen Filialen sogar im Hinblick auf aktuelle Wetterdaten und Kundenverhalten täglich neu vorauszusagen. Dies berücksichtigen wir insbesondere, um zu viele Bestellungen von hochverderblichen Produkten wie Fisch oder Fleisch zu verhindern. Darüber hinaus achtet Kaufland insbesondere bei diesen Lebensmittelkategorien auf eine lange Restlaufzeit zwischen der Anlieferung und dem Mindesthaltbarkeitsdatum der Lebensmittel, um Abfällen vorzubeugen.

Nach der Planung sind selbstverständlich auch die richtige Lagerung und Lieferung der Produkte entscheidend, um Lebensmittelverluste zu vermeiden. Die Mitarbeiter von Kaufland werden im korrekten Packen von Paletten oder Sichern von Kartons geschult, sodass die Lebensmittel unbeschadet transportiert werden können. Mit den von Kaufland entwickelten Klapp-Paletten wird die Beschädigung von Lebensmitteln beim Transport zudem deutlich reduziert. Außerdem wird die Temperatur in den LKWs mithilfe mehrerer Kühlzonen individuell an das jeweilige Produkt angepasst und überwacht, damit die Kühlketten eingehalten werden. So ist jederzeit sichergestellt, dass die Lebensmittel während des Transports frisch bleiben. 

 


Vermeiden

Das machen wir gegen Lebensmittelverschwendung

Durch unterschiedliche Konzepte und Kooperationen unterstützen wir die Verringerung von Lebensmittelverschwendung im eigenen Geschäftsbereich. So bieten wir beispielsweise qualitativ einwandfreie Artikel aller relevanten Warengruppen wie Obst und Gemüse, Backwaren, Molkereiprodukte und Wurstwaren aus dem Selbstbedienungsbereich stark rabattiert an, wenn sich diese nah am Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum befinden oder eine verschmutzte oder geringfügig beschädigte Verpackung aufweisen. Dies gilt auch für das Trockensortiment und die Tiefkühlkost. Zu finden sind diese Lebensmittel an ausgewiesenen Stellen mit einem Hinweis in den Regalen der Filialen. Obst und Gemüse, das zwar qualitativ noch einwandfrei genießbar ist, aber äußerliche Schönheitsfehler aufweist, wird ebenso zu günstigeren Preisen angeboten und im Verkauf besonders gekennzeichnet sowie im Rahmen von speziellen Verkaufsinitiativen angeboten.

Eine regelmäßige Qualitätskontrolle der Lebensmittel in den Filialen trägt zusätzlich zur Eindämmung von Lebensmittelverschwendung bei. Dabei prüfen unsere Wareneingangskontrolleure täglich und systematisch die Haltbarkeitsdaten und die korrekte Verpackung der Lebensmittel. Auch die Temperaturkontrolle und die Einhaltung der Kühlkette werden permanent überprüft. Im Fall größerer Bestände von Obst und Gemüse reduzieren wir die Preise kurz vor Ladenschluss, um zusätzliche Kaufanreize für unsere Kunden zu schaffen. 

Lebensmittel aus dem Ultrafrischebereich, also Obst und Gemüse sowie tierische Produkte wie Fleisch oder Milch, machen aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit den größten Anteil an verschwendeten Lebensmitteln aus. Um den natürlichen Reifeprozess bei Obst und Gemüse zu verlangsamen, bieten wir verschiedene Sorten mit einem Coating-Überzug an. Dabei wird eine kaum sichtbare und essbare Schutzschicht aufgetragen, durch die beispielsweise bei einer Avocado weniger Wasser austritt. Somit ist sie weniger Sauerstoff ausgesetzt und dadurch merklich länger genießbar. 

„Ich bin noch gut”

„Ich bin noch Gut“ Aufschrift in der Gemüseabteilung

Unter dem Kampagnentitel „Ich bin noch gut” reduziert Kaufland in Deutschland Lebensmittel kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums und gibt ihnen in einem separaten Regal einen besonderen Platz in den Filialen. Auch Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern werden in solchen Regalen rabattiert angeboten. Somit tragen wir zur besseren Orientierung und Auffindbarkeit von zu rettenden Lebensmitteln in unseren Filialen bei.

Rettertüten bei Kaufland

Kaufland Rettertüte

Mit unseren im Mai 2025 in Deutschland eingeführten Rettertüten setzen wir uns aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung ein. In den Tüten findet sich eine bunte Auswahl an Obst- und Gemüseartikeln zu einem stark vergünstigten Preis, beispielsweise Äpfel, Bananen, Möhren oder andere Obst- und Gemüseartikel, die vom Vortag übrig geblieben sind, kleine optische Schönheitsfehler haben oder bei denen die Verpackung beschädigt ist. Die Produkte sind äußerlich nicht perfekt, aber einwandfrei genießbar. Die Rettertüten sind gefüllt mit bis zu fünf Kilo an Obst und Gemüse und für jeweils drei Euro erhältlich. Die Tüten werden regelmäßig in mehr als 200 Filialen angeboten und sind für die Kunden gut sichtbar auf den „Ich bin noch gut"-Ständern platziert.


Verwerten

Kooperationen und Weiterverarbeitung

Als Einzelhändler haben wir vielfältige Möglichkeiten, der Lebensmittelverschwendung durch unseren direkten Kundenkontakt sowie in Kooperationen mit Organisationen entgegenzuwirken. Lebensmittel, die nicht mehr verkaufs-, jedoch noch verzehrfähig sind, spenden wir an gemeinnützige Einrichtungen und bieten in unseren Filialen Produkte an, bei denen gerettete Lebensmittel verarbeitet wurden. Damit diese Lebensmittelüberschüsse bestmöglich verwertet werden können, arbeiten wir kontinuierlich an Konzepten, um unsere Entsorgungsinfrastrukturen zu verbessern. 

Zusammenarbeit mit Tafeln, Foodsharing und mehr

Zusammenarbeit mit der Tafel - Lebensmittel werden übergeben

Bei Kaufland in Deutschland arbeiten viele unserer Filialen und auch die Verteilzentren mit lokalen Tafeln und weiteren gemeinnützigen Organisationen zusammen. Mehrmals pro Woche stellen wir den ehrenamtlichen Helfern Lebensmittel bereit, die zwar noch genießbar sind, aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden können. Diese Waren werden dann gesondert bereitgestellt, von den Tafel-Mitarbeitern abgeholt und in den Räumlichkeiten der Tafel lokal an bedürftige Menschen weitergegeben. Neben den bundesweit über 960 Tafeln mit über 2.000 Lebensmittelausgabestellen beliefern viele Tafeln auch Einrichtungen wie Frauenhäuser, Suchtberatungsstellen und Jugendclubs. Zu den gespendeten Lebensmitteln gehören Obst und Gemüse und solche, deren Verpackung durch den Transport beschädigt wurde oder die sich nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum befinden. An über 80 Standorten kooperieren wir außerdem mit der Initiative „foodsharing“, die übrig gebliebene Lebensmittel von Betrieben und Privatpersonen vor der Entsorgung rettet.

Black Soldier Fly

Black Soldier Fly

Ganzheitliches Recycling generiert hochwertige Wertstoffe: Entsprechend entwickeln die Unternehmen der Schwarz Gruppe Verwertungsverfahren, um Wertstoffe in möglichst hochwertigen Anwendungsfällen einzusetzen. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz der Larve der Black Soldier Fly zur Verwertung von Lebensmittelabfällen und schließlich zur Verwendung als Nutztierfutter. 

PreZero möchte Lebensmittelreste aus Handelsfilialen zu Insektenprotein verarbeiten. In diesem Rahmen erforscht das Unternehmen, wie in einem industriellen Maßstab Larven der Black Soldier Fly zum Upcycling organischer Abfälle eingesetzt werden können, um so die Nährstoffe wieder zurück in den Lebensmittelkreislauf zu bringen.

Die Larven zersetzen die organischen Reststoffe und machen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder nutzbar. Aufgrund des hohen Protein- sowie Fettgehalts der Larven werden sie zu Proteinmehl und Insektenöl verarbeitet und können bei der Aquakulturproduktion oder als anderes Tierfutter verwendet werden.

Bezogen auf ein essbares Kilogramm benötigen Insekten gegenüber Hühnern nur etwa die Hälfte des Futters. Das entspricht einem Viertel des Futters von Schweinen und bis zu zwölfmal weniger als Rinder – damit kann das biotechnische Verfahren potenziell erhebliche Ressourcen- und Emissionseinsparungen erzielen. Zusätzlich kann das Insektenöl Palm-, Fisch- oder Rapsöl ersetzen. Aus Reststoffen werden so wieder Wertstoffe. Ab 2027 ist für die industrielle Weiterentwicklung des Projekts eine Insekten-Raffinerie im baden-württembergischen Buchen geplant.


Vermitteln

Mehr Bewusstsein für die Wertschätzung von Lebensmitteln

Mitarbeiterschulungen

Durch Aufklärung und Sensibilisierung wollen wir die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung gesamtgesellschaftlich angehen. Vor diesem Hintergrund geben wir unseren Mitarbeitern im Rahmen von diversen Schulungen das nötige Wissen an die Hand, um Frische-
und Hygienestandards einzuhalten und dadurch Lebensmittelabfällen vorzubeugen. Zusätzlich wird allen Kaufland-Mitarbeitern ein Verständnis für nachhaltigeres Handeln im beruflichen sowie privaten Umfeld durch Online-Trainings vermittelt.

Tipps und Wissen für den Alltag

Ein Großteil der Lebensmittelverluste entfällt auf private Haushalte. Gründe hierfür sind unter anderem eine falsche Lebensmittellagerung und die fehlende Kenntnis über die Unterschiede zwischen Mindesthaltbarkeit und Verbrauchsdatum. Im Kontakt mit unseren Kunden nutzen wir deshalb verschiedene Möglichkeiten, um über das Thema Lebensmittelverschwendung aktiv aufzuklären. In unseren Kommunikationskanälen finden unsere Kunden regelmäßig Tipps, wie Lebensmittel gerettet oder verwertet werden können. Die Kaufland-App enthält darüber hinaus Einkaufslisten sowie Rezepte, die Kunden beim bedarfsgerechten und bewussten Einkauf unterstützen. 

Aufklärung vor Ort

2024 haben wir im Zuge der bundesweiten Retterwoche eine Deutschland-Tour initiiert: An ausgewählten Standorten informierten wir unsere Kunden mit Hilfe eines Info-Stands auf spielerische Art und Weise über das Thema Lebensmittelverschwendung.